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Gefiederfarbe

Die Federfarben sind ein komplexes Zusammenspiel von Pigmentfarben und Federstruktur. Als Farbpigmente sind vor allem die Melanine und Lipochrome bekannt. Durch ihre molekulare Struktur absorbieren sie bestimmte Wellenlängen des weißen Lichts und erscheinen so in verschiedenen Farben. Das Eumelanin beispielsweise ist eher dunkelbraun bis schwarz, dagegen scheint das Phäomelanin hell- bis rötlichbraun oder gelblich. Weiterhin gibt es noch ein mit dem Trichosiderin verwandtes Melanin (rotbraun bis purpurrot) und das Erythromelanin (kastanienbraun). Diese Melaninpartikel werden in die Federn eingelagert und verleihen ihnen u. a. mechanische Stabilität.
Eventuell vorhandene Gefiederzeichnung entsteht dadurch, dass die Abgabe von Melanin durch rhythmisch auftretende Stoffwechselprodukte entweder gehemmt oder vermehrt induziert wird.

Die Lipochrome (bei den Papageien heißen diese Psittacin) gehören zu den Karotinoiden und sind daher fettlöslich. Mit Hilfe von fetthaltigem Futter werden sie aufgenommen. Sie sind zuständig für gelbe Farben, welche besonders in den äußeren Schichten der Federn zu finden sind (Nickel, 1992).

Sowohl die Farben weiß und blau als auch das Schillern hängen von feinen Strukturen der Federn ab. Weiß beruht auf den physikalischen Vorgängen der Lichtbrechung und -reflexion. Das Licht trifft auf zahlreiche pigmentfreie und transparente Hornzellen der Federstrahlen und wird von dort in alle möglichen Farben gestreut und gebrochen. Die Summe dieser Farben ist weiß. Diese Gefiederfarbe ist jedoch zu unterscheiden von Albinos, bei denen jegliche dunkle Pigmente durch einen Fehler bei der Melaninsynthese fehlen, wohingegen die normal weißen Vögel durchaus Pigmente besitzen.
Ebenso ist die blaue Farbe der Federn nicht auf ein blaues Pigment zurückzuführen, sondern vielmehr auf das Vorhandensein sogenannter Kästchenzellen. Das sind luftgefüllte Zellen, welche über den mit dunklen Farbpigmenten bepackten Zellen der Federäste liegen. Dadurch wird das Licht nicht komplett weiß reflektiert, sondern eben blau. Wird zusätzlich in den über den Kästchenzellen liegenden Rindenschichten gelbes Pigment eingelagert, so erscheint diese Feder bei Vorhandensein von Pigmenten in den unteren Schichten grün, ansonsten gelb.

Aufgrund dieser Kenntnisse zur Federfarbe lässt sich nun leicht erklären, wie es zu den unterschiedlichen Farben des Katharinasittichs kommen kann. Mehrere verschiedene, unabhängig voneinander oder gekoppelt vererbte Gene bestimmen die Gefiederfärbung, wie dies auch beim Wellensittich (Melopsicattus undulatus) der Fall ist. Ein Gen ist für die Pigmentierung (Lipochrom) der äußeren Teile der Feder, ein zweites für die Pigmentierung (Melanin) des Federkerns zuständig. Dabei liegt das Gen für die Produktion des Melanins auf den Geschlechtschromosomen (Heterosomen) der Vögel, genauer gesagt auf dem X- bzw. auf dem Z-Chromosom, von dem der männliche Vogel zwei, der weibliche Vogel nur eines hat (siehe auch: Genetik). Dabei muss natürlich dieses spezielle Gen nicht unbedingt allgemein für die Endsynthese des Melanins zuständig sein. Es würde ja schon reichen, wenn ein Vorprodukt des Pigmentes nicht hergestellt werden kann, oder wenn ein kleiner Zwischenschritt einfach nicht funktioniert. Das Resultat ist immer das gleiche: Der Organismus kann kein Melanin mehr herstellen.
Das andere Gen dagegen liegt auf einem der Autosomen. Da Lipochrome mit der Nahrung aufgenommen werden, kann es hier also keine Probleme mit der Herstellung geben. Trotzdem kann es auch hier zu Komplikationen kommen. Stellen wir uns einmal vor, das Lipochrom würde zwar aufgenommen, aber dann nicht weiter transportiert. Es wird letztendlich wieder abgebaut. Das ist nur eine mögliche Erklärung für das Fehlen des gelben Pigmentes in den Federn.

Schauen wir uns nun einmal den wildfarbenen Katharinasittich an. Bei ihm laufen alle Stoffwechselwege zur Produktion der Melanine und zur Einlagerung der Lipochrome einwandfrei ab. Im Federkern liegen schwarze Melaninpartikel vor, die Rindenschicht enthält gelbes Lipochrom. Der Vogel erscheint grün. Wird nun aufgrund einer Mutation auf einem Chromosom der Weitertransport des Lipochroms unterbunden, so kann dieses Pigment sein eigentliches Ziel nicht mehr erreichen. Die äußere Rindenschicht bleibt farblos. Die oben erklärten Phänomene der Lichtbrechung führen zu einem blau aussehenden Vogel. Wie auch bei den Mutationen Türkis und Cremino beschrieben, kann beim Katharinasittich der Einbau des gelben Lipochroms niemals komplett verhindert werden. Somit gibt es (noch) keinen rein blauen Vogel. Es ist immer ein leichter gelber Schimmer zu sehen. Daher wird beim Katharinasittich auch bevorzugt die Bezeichnung türkis verwendet. Seltener hört man auch die Bezeichnung aqua oder blau-grün.
Gehen wir jetzt aber einmal davon aus, dass alle Lipochrome die äußere Federschicht erreichen. Durch eine andere Mutation, diesmal jedoch das Gen für die Melaninproduktion betreffend, wird verhindert, dass Melanin zusammengebaut, weitertransportiert oder eingelagert wird. Die Folge wäre ein gelber Vogel. Aber nicht nur das! Da ja die Melaninproduktion komplett unterbunden ist, hat dieser Vogel zudem noch rote Augen und helle Krallen. Wir haben dann also einen Lutino.
Treffen diese beiden Mutationen dann letztendlich zusammen, so ist das Gefieder des entstehenden Creminos so gut wie pigmentfrei (abgesehen von dem bereits oben erwähnten gelben Schimmer).

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