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Einzelhaltung

Kann ich einen Katharinasittich einzeln halten?

Kann ich einen Katharinasittich mit einem Wellensittich oder einem Nymphensittich vergesellschaften?

Auf diese Fragen gibt es nur eine einzige Antwort: NEIN.

Denn: EIN Katharinasittich ist KEIN Katharinasittich.

Zahm im Schwarm Alle Papageien - mit Ausnahme des Kakapos - sind Schwarmtiere, die ihr komplettes soziales Verhaltensrepertoire erst im Schwarmgefüge entwickeln und ausleben können. Oft einhergehend mit der Handaufzucht ist die Einzelhaltung von Papageien auch heute noch ein weit verbreitetes Phänomen, aus Unwissenheit, aufgrund fehlender Beratung und Aufklärung durch Züchter und Verkäufer und aufgrund der egoistischen Einstellung des Halters, das Tier auf sich prägen und fixieren zu wollen. Katharinasittiche und andere Papageien wenden sich in Ermangelung eines artgleichen Partners jedem angebotenen Lebewesen zu. Dass die scheinbaren Sympathiebekundungen des Vogels in Form von Zahmheit, Artikulation menschlicher Laute und bedingungsloser Zuwendung nur aus der Not heraus entstehen, ist vielen Haltern entweder nicht bewusst oder einfach egal. Der Papagei sucht nach Gesellschaft, er braucht Gesellschaft!

Viele Vorurteile und Irrtümer halten sich in den Köpfen der Vogelhalter:

Das meistgenannte Argument von Haltern einzelner Papageien ist jedoch: ICH bin der Partner meines Papageien.
Aber - mal ehrlich. Glauben Sie wirklich, dass Sie auf Dauer einen Papageienpartner ersetzen können?

Zahm im Schwarm
Für Kolbenhirse machen Katharinasittiche fast alles.

Ein weiterer Trugschluss ist, dass die artfremde Verpaarung zweier Papageien artgleiche Gesellschaft ersetzen kann. Selbst wenn Katharina- und Wellensittich sich scheinbar gut verstehen, sich kraulen und nebeneinander hocken, so ist dies nur eine Zweckgemeinschaft. Die unterschiedlichen Papageienarten sprechen unterschiedliche Sprachen, haben verschiedene Gestiken und Verhaltensmuster, einen anderen Lebensrhythmus. Vergleichbar ist die Vergesellschaftung eines Katharinasittichs mit z. B. einem Nymphensittich mit der Gemeinschaftshaltung eines Menschen und eines Berggorillas. Auch wenn diese beiden Primaten mit der Zeit lernen, miteinander auszukommen, sich anzupassen an Verhaltensweisen des anderen oder gar auf einer gemeinsamen Ebene miteinander kommunizieren, so wünscht sich doch jeder Mensch einen anderen Menschen und jeder Gorilla einen weiteren Gorilla. Nicht anders geht es den beiden artfremd vergesellschafteten Papageien.
Wenn man aber jemals zwei Katharinasittiche beobachten konnte, die sich gegenseitig hingebungsvoll kraulen, die alles gemeinsam unternehmen - stets in Kontakt durch zarte Fieplaute, die nachts eng aneinander gekuschelt in ihrem Schlafhaus hocken und die sich fürsorglich die Apfelreste vom Schnabel zupfen, dann wird einem klar, dass es für die artgerechte Haltung dieser Papageien nur eine Lösung gibt: artgleiche Gesellschaft - Katharinasittich zu Katharinasittich.

Zahm im Schwarm

Viele Papageien sind in der Lage, sich mit ihrer misslichen Situation zu arrangieren. Scheinbar finden sie sich damit ab, dass sie ohne artgleiche Gesellschaft und sozial unterfordert ihr Leben verbringen müssen. Aber für viele große und kleine Papageien endet der Kampf gegen das Alleinsein jedes Jahr in Tierheimen, in Verkaufsanzeigen oder gar im Tod. Denn viele Vögel leiden nicht nur still in sich hinein, sondern machen ihrem Unmut Luft:

Daher - für Sie als Tierliebhaber und Vogelfreund muss es immer heißen: EIN Papagei ist KEIN Papagei.

Auch unter tierschutzrechtlichen Gesichtspunkten ist eine Einzelhaltung von Papageien strikt abzulehnen:
"Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,
  • muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
  • ...
  • muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen."
(Tierschutzgesetz (Bund, i. d. F. der Bek. vom 25. Mai 1998), Tierhaltung, § 2)
und weiter ...
"Papageien leben bis auf Ausnahmen paarweise oder in Gruppen. Sie sind grundsätzlich auch in der Obhut des Menschen so zu halten. Ausgenommen sind unverträgliche und derzeit vorhandene, nur auf Menschen geprägte sowie kranke oder verletzte Vögel. Zukünftig ist beim Verkauf von Papageien auf die erforderliche Paarhaltung hinzuweisen, und sie sind deshalb in der Regel nur zu zweit abzugeben. Jungvögel sollten so aufgezogen werden, dass sie artgeprägt sind. "
(Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien (in der Fassung vom 10. Januar 1995), (I. Allgemeiner Teil, Abschnitt 5)).

Weitere Informationen zur (und gegen) Einzelhaltung von Papageien finden Sie auf folgenden Seiten:

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