Genetik
An dieser Stelle soll einmal der Hintergrund der Farbmutationen beim Katharinasittich erläutert werden. An der Genetik, der Lehre von den Genen, kommt der interessierte Züchter dabei nicht vorbei, denn die Vererbung der Mutationen ist abhängig von den Genen der Vögel. Wie die Gefiederfarbe überhaupt entsteht, ist in dem Unterpunkt Gefiederfarbe erklärt.
Doch zunächst ...
... einige Fachbegriffe und Erklärungen
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1.0 oder 0.1?: Sowohl das Geschlecht als auch die Anzahl der Vögel wird mit Zahlenkürzeln umschrieben. Hierbei steht 1.0 für einen männlichen Vogel, 2.0 entsprechend für zwei männliche Vögel und so weiter. Analog gilt für eine weiblichen Vogel das Kürzel 0.1, für zwei weibliche Vögel 0.2 ... . Drei männliche und vier weibliche Vögel wären dementsprechend 3.4. Wird eine dritte Ziffer angegeben, so steht diese für die Anzahl der Tiere, deren Geschlecht unbekannt ist, beispielsweise 0.0.2 für zwei Tiere unbekannten Geschlechts.
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Chromosom: Auf den Chromosomen befinden sich u. a. die Genorte für alle Eigenschaften und Funktionen eines Organismus', so auch der Federfarbe. Der Mensch hat 46 Chromosomen, wobei 44 Chromosomen (die Autosomen) jeweils als identisches (homologes) Paar vorliegen, also 22 homologe Chromosomenpaare. Dementsprechend liegen auch die Gene auf diesen Paaren immer doppelt vor.
Die beiden verbleibenden zwei der 46 Chromosomen stellen die Geschlechtschromosomen (Heterosomen) dar.
In den Keimzellen (also den Spermien bzw. den Eizellen) liegt jeweils nur ein einfacher Chromosomensatz vor, also 22 Autosomen und ein Heterosom. Bei der Verschmelzung eines Spermiums mit der Eizelle ergeben sich daraus wieder 46 Chromosomen. Die Hälfte der Chromosomen eines Menschen stammen also von seinem Vater, die andere Hälfte von der Mutter. Entsprechend ist es mit den Eigenschaften, die auf den Chromosomen liegen.
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Geschlechtschromosom: Die An- oder Abwesenheit bestimmter Gene auf den Geschlechtschromosomen sind für die Ausprägung des Geschlechts eines Organismus' zuständig. Der männliche Mensch hat ein X- und ein Y-Chromosom, der weibliche Mensch zwei X-Chromosomen. Bei den Vögeln dagegen ist es genau anders herum. Das Weibchen hat ein W- und ein Z-Chromosom, das Männchen zwei Z-Chromosomen.
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Autosomale Vererbung: Das Merkmal, welches vererbt wird, befindet sich nicht auf einem der beiden Geschlechtschromosomen.
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Geschlechtsgebundene (auch heterosomale) Vererbung: Das Merkmal, welches vererbt wird, befindet sich auf dem größeren der beiden Geschlechtschromosomen (X bzw. Z). Dies ist beim weiblichen Vogel nur einmal vorhanden, beim männlichen Vogel hingegen zweimal.
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Dominante Vererbung: Das Farbmerkmal, welches dominant vorliegt, wird sichtbar ausgeprägt. Es kann somit nicht verdeckt weitervererbt werden. Beispiel hierfür die ist grüne Wildfarbe des Katharinasittichs. Ist diese grüne Färbung genetisch festgelegt, so ist sie auch sichtbar.
Eine bunte Katharinasittichschar in türkis, grün, kobalt und cremino.
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Rezessive Vererbung: Das Farbmerkmal, welches rezessiv vorliegt, ist nicht unbedingt sichtbar. Es kann somit verdeckt weitervererbt werden. Als Beispiel kann hier die Türkisfärbung des Katharinasittichs genommen werden. Die grüne Farbe ist, wie bereits erwähnt, dominant über die blaue Färbung. Hat eines der beiden homologen Chromosomen also das nicht-mutierte Gen (Wildfarbe), das andere jedoch ein mutiertes (blaue Färbung) , so ist dieser Vogel trotzdem grün, obwohl er das Potential für die blaue Färbung in sich trägt. Diese Eigenschaft kann er somit an seine Nachkommen weitergeben. Solche Vögel nennt man spalterbig.
Erst wenn beide homologe Chromosomen das mutierte Gen besitzen, welches für die Türkisfärbung des Gefieders verantwortlich ist, ist der Vogel wirklich türkisfarben. Dieser Vogel ist dann reinerbig für die Farbe türkis.
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Ko-dominante Vererbung: Keines der Merkmale liegt dominant oder rezessiv vor, sie ergänzen sich. Ein berühmtes Beispiel sind die roten und weißen Erbsenblüten, mit deren Hilfe der Genetiker Gregor Mendel seine Theorien zur Vererbung von Merkmalen erforschte. Kreuzte er eine rotblütige Erbsenpflanze mit einer weißblütigen Erbsenpflanze, so waren die Nachkommen nicht rot oder weiß (was bei einem dominant-rezessiven Erbgang der Fall wäre), sondern rosa. Die Eigenschaften der Blütenfarben ergänzten sich also.
Ebenso verhält es sich beim Dunkelfaktor. Ein Beispiel: Ein normalgrüner Vogel weist keinen Dunkelfaktor auf. Wird dieser mit einem Vogel gepaart, der einen Dunkelfaktor hat (also auf einem der beiden homologen Chromosomen liegt die Information für den Dunkelfaktor), so können die Nachkommen ebenso wie die Eltern entweder keinen oder einen Dunkelfaktor aufweisen. Denn der normalgrüne Vogel gibt seinem Nachkommen auf jeden Fall keinen Dunkelfaktor weiter, der Vogel mit einem Dunkelfaktor dagegen gibt entweder die Information kein Dunkelfaktor oder ein Dunkelfaktor weiter.
Verpaart man nun zwei Vögel, die jeweils einen Dunkelfaktor aufweisen, so vererben beide an ihre Nachkommen die Information kein Dunkelfaktor oder ein Dunkelfaktor. So könnte ein Vogel dabei rauskommen, der absolut keinen Dunkelfaktor aufweist. Außerdem könnte man unter den Nachkommen Vögel finden, die einen Dunkelfaktor zeigen. Zu guter Letzt gibt es aber auch noch Jungvögel, die von beiden Eltern jeweils die Information ein Dunkelfaktor erhalten haben. Diese Information addiert sich, so dass der Nachwuchs zwei Dunkelfaktoren besitzt. Man nennt sie dann auch zweifaktorig für das entsprechende Merkmal.
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Spaltvögel: Diese Vögel vererben Farbeigenschaften weiter, die man ihnen nicht ansieht. So kann zum Beispiel ein grüner Vogel spalterbig für türkis sein. Wichtig ist hier, dass die rezessive, geschlechtsgebundene Mutation Ino nur vom männlichen Vogel verdeckt vererbt werden kann. Denn sobald dieses Merkmal bei einem weiblichen Vogel auf dem einzigen Z-Chromosom vorliegt, wird es sofort sichtbar.
Angegeben werden Spalterbigkeiten nach der sichtbaren Farbe.
Ein männlicher Vogel, der wildfarben ist und außerdem eine Spalterbigkeit für türkis besitzt, erhält somit folgendes Kürzel: 1.0 grün/türkis.
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