Einige farbliche Veränderungen im Gefieder der Katharinasittiche treten nur sporadisch und zufällig auf; sie sind nicht vererbbar. Um eine Verwechslung mit den vererbbaren Mutationen zu vermeiden, werden derartige Farbschläge Modifikationen genannt.

Sporadisch treten gescheckte Katharinasittiche auf. Die Ausprägung der Scheckung ist unterschiedlich und zufällig.

Bisher ist die Scheckung des Gefieders beim Katharinasittich nicht als Mutation gefestigt, weshalb sie auch weiterhin als Modifikation anzusehen ist. Eine Zucht mit Schecken misslingt meist (sterile Gelege, früher Tod der Jungtiere) oder führt erneut zu nicht-geschecktem Nachwuchs.

Da aber immer mal wieder Schecken auftauchen, werden an dieser Stelle einige vorgestellt.

Beinahe gleichzeitig wurde das Auftreten zweier blau-weißer Schecken bekannt.

 Katharinasittich-Schecke (Weibchen)

Katharinasittich-Schecke (Weibchen)

Das eine Tier, eine kobaltblau-cremino-gescheckte Henne, fiel aus der Verpaarung eines kobaltblauen Hahnes (spalt in ino) mit einer kobaltblauen Henne. Die Scheckung dieses Vogels erstreckte sich über den gesamten Körper. Selbst einzelne Federn waren sowohl blau als auch creme-weiß.

Der zweite Katharinasittich mit derartigen Scheckungen schlüpfte Mitte des Jahres 2004. Laut Informationen der Catharinaparkieten Studie Groep waren die Farben der Elterntiere türkis (Hahn) und cremino + 1 Dunkelfaktor (Henne). Die Geschlechtsbestimmung mittels DNS ergab, dass es sich um einen Hahn handelt.
Die Farben, die sich im Gefieder dieses Schecken befinden, werden als eine Mischung aus türkis, kobaltblau, cremino und Violettfaktor beschrieben. In der ersten Woche hatte dieser Hahn rote Augen, wie ein Ino. Sie dunkelten mit der Zeit ein wenig nach. Außer diesem Vogel fielen noch eine türkisfarbene Henne und 4 kobaltblaue Hähne in dem Sechsergelege.

Ebenfalls eine kobaltblau-cremino-gescheckte Henne tauchte 2013 bei Patrick Hund auf. Eltern dieses Vogels waren ein wildfarbenes Männchen sowie eine türkisfarbenes Weibchen. Aus dem Vierergelege schlüpften außer der Schecke zwei türkisfarbene Katharinasittiche sowie ein Ino. Dieser verstarb jedoch im Alter von 2 Wochen, so dass unklar ist, ob es sich um einen Lutino oder einen Cremino handelte.

Ein weiterer Katharinasittichschecke saß bei Foppe Lanenga von der Catharinaparkieten Studie Groep. Der grün-gelb gescheckte Vogel war von 2001 und fiel aus der Verpaarung: Hahn lutino x Henne grün.

Neben den Scheckungen, welche am ganzen Körper verteilt auftreten, gibt es bei den Katharinasittichen noch die so genannten Kopfschecken. Wie der Name schon verrät, sind dort die andersfarbigen Federn lediglich im Kopfbereich – mit wenigen Ausnahmen – zu finden.

Bei vielen dieser Kopfschecken handelt es sich vermutlich um die bekannte Alterserscheinung bei Katharinasittichen, bei welcher Teile des Kopfgefieders mit den Jahren ihr Melanin verlieren (ähnlich dem Ergrauen des menschlichen Kopfhaares). Denn viele der melaninfreien Federn (also bei Tieren der Grünreihe gelbe Federn und bei Tieren der Blaureihe cremefarbene Federn) traten mit fortschreitendem Alter zunächst vereinzelt, später großflächig auf. Mit jeder neuen Mauser kamen weitere gelbe oder weiße Federn hinzu.

Es gibt aber auch Beispiele von Kopfschecken, die sich nicht mit der Alterstheorie erklären lassen. Zum einen sind es teils junge Vögel, zum anderen weisen sie keinen Melaninverlust sondern im Gegenteil eine Wiederherstellung der Melaninproduktion auf. Beispiele hierfür sind die beiden folgenden Tiere.

Der gelbe Katharinasittichhahn (spalterbig in türkis) mit den grünen Federn im Kopfbereich (Foto rechts) hat im Jahr 2005 mit einer türkisfarbenen Henne vier Jungtiere erfolgreich aufgezogen. Dabei handelte es sich um vier männliche Tiere, zwei grün, eines türkis und eines kobaltblau. Keines der Jungtiere zeigte Scheckungen im Gefieder.

Eine weitere Kopfschecke ist dieses Exemplar, eine Creminokopfschecke.

Ein Halbseiter ist ein Tier, dessen eine Körperhälfte eine andere Farbe zeigt als die andere. Bei Wellensittichen beispielsweise sind blau-grüne Halbseiter bekannt. Diese Farbbesonderheit, die sowohl bei Papageienvögeln als auch in der Zucht mit Finkenarten und anderen Ziervögeln ab und zu auftreten, gehören nicht zu den Mutationen, da sie nicht vererbbar sind.
Der Grund für diese farbliche (und manchmal sogar geschlechtliche) Zweiteilung des Vogelkörpers ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. Sicher scheint jedoch, dass bei der ersten Zellteilung der befruchteten Eizelle etwas passiert, was dazu führt, dass die Zellen der einen Körperhälfte genetisch betrachtet anders sind als die der anderen Hälfte.
Bekannt ist, dass die Halbseitigkeit oftmals bei spalterbigen Vögeln auftritt.

Im Sommer 2005 trat der erste mir bekannte Fall eines Katharinasittich-Halbseiters auf (in der Katharinasittichzucht von Carsten Laub): Der Vogel ist halb grün, halb türkis. Die Zweiteilung verläuft längs der Körperachse. Besonders strikt ist die farbliche Grenze an der Unterseite des Vogels erkennbar. Die Stirn ist überwiegend türkis, der restliche Kopf jedoch halb grün, halb türkis. Der Vogel zeigt sowohl grüne als auch blaue Steuerfedern.

Der Vogel fiel aus der Verpaarung grün/türkis x kobalt, seine zwei Geschwister sind grün bzw. türkis. Aufgrund der Farben der Eltern kann der Halbseiter genetisch gesehen grün spalt türkis oder türkis sein. Im ersten Fall wäre die Wildtypinformation der einen Körperhälfte verloren gegangen, im zweiten Fall hingegen rückmutiert.

Ein weiterer Halbseiter trat im September 2005 in den Niederlanden auf. Der Vogel war halb lutino, halb cremino. Zusammen mit seinen Geschwistern (2 x grün und 1 x kobalt) fiel dieses Jungtier aus der Verpaarung eines dunkelgrünen Hahnes (spalt ino) mit einer kobaltblauen Henne. Aufgrund der geschlechtsgebundenen Vererbung des Ino-Locus ist der gelb-cremefarbene Jungvogel eine Henne. Wie auch bei dem oben gezeigten türkis-grünen Halbseiter besteht bei diesem Vogel die Möglichkeit, dass er genetisch gesehen ein Lutino mit einer Spalterbigkeit für türkis oder ein Cremino ist.

Beide Vögel weisen offensichtlich eine halbseitige Psittacin-Defizienz auf. Das bedeutet, dass der Melaninanteil (also das dunkle Farbpigment) des türkis-grünen Vogels am ganzen Körper gleichmäßig ist, jedoch der gelbe Farbstoff Psittacin an einer Körperhälfte fehlt. Denn erst das Psittacin macht aus einer blauen Feder eine grüne Feder. Genauso verhält es sich bei dem Ino-Halbseiter, wenngleich aufgrund der Ino-Mutation dort das Melanin komplett fehlt. Aber auch hier ist die Verteilung des Psittacins nur halbseitig gegeben. Ob dies nur Zufall ist und es ebenso auch Melaninhalbseiter gibt, ist nicht bekannt.

Wenn Sie weitere Beispiele für Schecken, Halbseiter oder andere Modifikationen bei Katharinasittichen kennen, melden Sie sich. Wir freuen uns über Neuigkeiten.