Bei ihrer ersten Brut sollten Katharinasittichweibchen nicht jünger als etwa 12 Monate sein. Die Gefahr einer Legenot, die oftmals tödlich verläuft, ist insbesondere bei sehr jungen, aber auch kranken und geschwächten Tieren groß.
Auch wenn Katharinasittiche problemlos drei Bruten pro Jahr durchziehen, sollten Sie zum Wohl der Tiere nicht mehr als zwei zulassen.

Gut harmonisierende Paare finden sich optimalerweise selbst in einer größeren Katharinasittichgruppe. In der Regel treten aber auch bei gezielten Verpaarungen zweier Einzeltiere nur selten Probleme auf.

Die Brutzeit der Katharinasittiche liegt zwischen April und August (Arndt 1986). Je nach Witterung nehmen Fortpflanzungsaktivitäten eines Schwarmes aber bereits im Februar oder März zu. Bei Innenhaltung ist eine Zucht ganzjährig möglich, da die Tiere aufgrund stabiler Temperaturen und meist reichhaltiger Fütterung ganzjährig in Brutlaune sind.

Lange wurde Katharinasittichen eine Balz abgesprochen. Inzwischen ist aber klar, dass Katharinasittiche sehr wohl um ihre Partner werben, wenn auch recht dezent. Täglich verbringen Paare Stunden damit, sich gegenseitig zu kraulen und das Gefieder zu pflegen.
Während der Brutzeit füttert das Männchen sein Weibchen mehrfach pro Tag. Zuvor nähert sich die Henne in leicht geduckter Haltung ihrem Partner und stupst unter leisen Bettellauten den Schnabel des Männchens an.

Der Paarungsakt selbst dauert mitunter etliche Minuten, begleitet von glucksenden bis krächzenden Lauten beider Tiere.

 Männchen (grün) füttert bettelndes Weibchen

Männchen (grün) füttert bettelndes Weibchen

 Das Männchen (grün) legt ein Bein auf den Rücken seiner Partnerin und begattet sie von der Seite

Das Männchen (grün) legt ein Bein auf den Rücken seiner Partnerin und begattet sie von der Seite

Zu diesem Zeitpunkt interessiert sich das Paar mehr und mehr für angebotene (oder selbst gesuchte) Nistmöglichkeiten und richtet sich das Nest nach eigenen Vorstellungen her.

Schon bald taucht bei dem Katharinasittichweibchen eine verräterische Beule in der Kloakengegend auf und weist auf die bevorstehende Eiablage hin.

Junge, unerfahrene Hennen müssen nun gut beobachtet werden: Wirkt das Tier erschöpft oder apathisch, muss sofort ein vogelkundiger Tierarzt aufgesucht werden, um eine mögliche Legenot zu behandeln. Im schlimmsten Fall führt eine unbehandelte Legenot zum Tod des Vogels aufgrund von Erschöpfung oder inneren Blutungen.

 Katharinasittichweibchen kurz vor der Eiablage

Katharinasittichweibchen kurz vor der Eiablage

Nicht mit der typischen Eierbeule der Henne zu verwechseln ist die in den Tagen vor und nach der Eiablage leicht verdickte Kloake. Dies hat mehrere Gründe: Zum einen ist das Gewebe in der Kloakenregion während der Brut besonders gut durchblutet und wirkt daher etwas geschwollen. Zum anderen verlässt eine brütende Henne nur ein- oder zweimal pro Tag den Kasten, um Kot abzusetzen. Dass die Menge an Kot dann ungewöhnlich groß ist, ist nachvollziehbar. Dies ruft ebenfalls eine Wölbung der Kloake hervor.

 Mit leicht gesträubtem Gefieder hockt das Weibchen auf den Eiern.

Mit leicht gesträubtem Gefieder hockt das Weibchen auf den Eiern.

Das Weibchen brütet fest, selten nach dem ersten, meist erst nach dem zweiten oder sogar erst nach dem dritten Ei. Dadurch kommen zum Teil ungewöhnliche Angaben zur Brutdauer zustande.
Das Männchen füttert seine Partnerin während der Brut. Das Weibchen verlässt das Gelege nur selten, um Kot abzusetzen und zu trinken.
Gern duschen die Vögel auch während der Brutzeit. Der Vorteil ist, dass die Henne sich in noch nassem Zustand wieder auf die Eier setzt und somit die Luftfeuchte im Kasten erhöht. Dies ist gut für die Entwicklung der Embryonen in den Eiern.

Nistkastenkontrollen werden in der Regel nicht übel genommen. Einige Hennen müssen zur Kontrolle der Eier und Küken sogar vom Nest geschoben werden. Sollte das Weibchen während einer Kontrolle trotzdem das Gelege verlassen, so kehrt es danach sofort wieder in den Kasten zurück.
Anders ist das bei sensiblen oder scheuen Paaren, die nach häufigen Störungen unter Umständen das Gelege aufgeben. Jeder Halter sollte seine Tiere ausreichend einschätzen können, um zu entscheiden, inwieweit die Vögel Eingriffe in das Brutgeschehen akzeptieren.
Generell gilt im Bezug auf Nistkastenkontrollen: So wenig wie möglich und so oft wie nötig.

Die Zahl der Eier liegt meist zwischen drei und sechs, im Schnitt werden vier Eier im Abstand von jeweils zwei Tagen gelegt. Dennoch treten auch überdurchschnittlich große Gelege mit bis zu acht Eiern auf. Die Eigröße beträgt etwa 20 x 15 mm, die Eier sind gleichmäßig weiß.

Etwa drei Tage nach der Eiablage verraten feine rote Äderchen beim Schieren, dass ein Ei befruchtet ist. Weitere 21 Stunden später lässt sich bereits das schlagende Herz des Embryos erkennen. Zugleich verändert sich die Schale befruchteter Eier von einem hellen zu einem dunkleren, porzellanartig schimmernden Weiß. Alsbald lässt sich zudem an einem Eipol die Luftblase ausmachen, welche mit der Zeit an Volumen zunimmt und kurz vor dem Schlupf des Jungvogels das Ei bis zu einem Drittel ausfüllt.

 Das mit einem ′X′ markierte Ei ist unbefruchtet, die anderen befruchtet.

Das mit einem ′X′ markierte Ei ist unbefruchtet, die anderen befruchtet.

 Die Entwicklung des Embryos im Ei vom Tag der Eiablage bis zum Tag des Schlupfes.

Die Entwicklung des Embryos im Ei vom Tag der Eiablage bis zum Tag des Schlupfes.

Es kommt immer wieder vor, dass Embryos im Ei absterben. Oft verfärbt sich dann die Eischale gelb-bräunlich. Beim Schieren zeigt sich nach einer Weile, dass die Luftblase einen großen Teil des Eivolumens einnimmt. Unbefruchtete Eier sind zudem leichter als befruchtete (diese wiegen etwa 2,8 – 3 g). Zu guter Letzt kann der Torkeltest bestätigen (das Ei torkelt beim Drehen auf einer glatten Oberfläche), dass der Embryo abgestorben ist. Um das Gelege nicht zu gefährden, sollten solche Eier entfernt werden.

 Der Embryo in dem mit einer ′2′ markierten Ei lebt nicht mehr.

Der Embryo in dem mit einer ′2′ markierten Ei lebt nicht mehr.

 Die Luftblase füllt fast die Hälfte des Eis aus.

Die Luftblase füllt fast die Hälfte des Eis aus.

 Schlupfvorgang

Schlupfvorgang

Nach etwa 21 Tagen schlüpft das erste Jungtier. Die Brutdauer kann variieren, je nachdem, ob das Weibchen bereits nach dem ersten oder erst ab dem dritten Ei mit dem Bebrüten beginnt. Der Schlupfvorgang dauert etwa eine halbe Stunde und wird von dem Weibchen aktiv unterstützt, indem es beispielsweise Teile der Eischale abknabbert.

 Jungvogel: etwa einen Tag alt

Jungvogel: etwa einen Tag alt

 

Frischgeschlüpfte Küken weisen einen zarten, weißen Flaum auf, der später durch die grauen Dunen des Jugendgefieders ersetzt wird. Wenn die Jungen acht bis zehn Tage alt sind, verlässt das Weibchen hin und wieder das Gelege. Mit etwa 12 Tagen öffnen die kleinen Nesthocker ihre Augen. Je nach Größe der Füße können die Küken dann auch mit 4,5-mm-Ringen beringt werden.

Beide Eltern füttern den Nachwuchs gemeinsam. Oft hudern (also: wärmen) auch beide Elterntiere die Küken, zumindest nachts. Genauso gut kommt es vor, dass ältere Geschwister (einer vorangegangenen Brut) oder völlig unbeteiligte Katharinasittiche die Jungvögel wärmen und sogar füttern. Nur selten verteidigen Katharinasittiche ihr Nest und das Gelege gegen Artgenossen.

Schon bald sprießen die ersten Konturfedern, zunächst an Schwanz und Flügeln, später am ganzen Körper. Im Alter von etwa vier Wochen sind die Küken vollständig befiedert. Zu diesem Zeitpunkt verlassen sie hin und wieder den Nistkasten. Mit etwa sechs Wochen sind die jungen Sittiche selbständig. Sie sind dann kaum noch von den Elternvögeln zu unterscheiden. Der Nistkasten wird weiterhin gern nachts zum Schlafen genutzt.

 Das Weibchen füttert seinen Nachwuchs

Das Weibchen füttert seinen Nachwuchs

 Küken auf Erkundungsgang

Küken auf Erkundungsgang

 Auch nach dem Ausfliegen werden die Jungvögel noch gefüttert

Auch nach dem Ausfliegen werden die Jungvögel noch gefüttert